Geschichte des Kirchboots

Finnischer Dokumentarfilm von 1938

Ein Kirchboot ist ein spezielles Holzruderboot in Klinkerbauweise, das i.d.R. von 14 Personen und einem Steuermann/Steuerfrau gerudert wird. Kirchboote stammen ursprünglich aus Finnland, wo sie im 17. Jahrhundert erstmals gebaut wurden um als Verkehrsmittel zwischen einzelnen Kirchengemeinden bzw. Dörfern zu dienen. Heutzutage werden Kirchboote im Freizeit- und Wettkampfsport genutzt.

 

 

Ein kurzer geschichtlicher Einblick

 

In Anlehnung an die Langboote der Wikinger, wurden im 17. Jahrhundert die ersten Kirchboote mit Unterstützung durch die Kirche gebaut.

 

In erste Linie dienten sie der sonntäglichen Fahrt zur Kirche, wobei die Rückfahrt traditionell als Wettrudern zwischen den Gemeinden genutzt wurde. Daneben dienten sie aber auch dem Personentransport zu sonstigen festlichen und anderweitigen Anlässen.

 

Um große Menschenmengen von bis zu 150 Menschen transportieren zu können, wiesen damalige Kirchboote beachtliche Maße auf. So waren die größten bekannten Boote bis zu 40 Meter lang und 3 Meter breit. Sie wurden von 30 bis 40 Ruderpaaren gerudert und auf einer Ruderbank fanden 8 Personen Platz.

 

Mehr zum geschichtlichen Hintergrund der Kirchboote erfahren Sie hier.

 

Bauart

 

Die heutigen Kirchboote fallen wesentlich kleiner aus als ihre Urahnen und entsprechen einem auf den Wettkampfsport zugeschnittenen Bootstyp. Die Boote werden in traditioneller Klinkerbauweise mit einer Wanddicke von 9 bis 12 mm gebaut. Die Bootslänge beträgt i.d.R. 12 m, bei einer Breite von 1,80 bis 1,95 m. Das Gewicht eines modernen Kirchbootes beläuft sich auf ca. 300 bis 350 kg. Es bietet 14 paarweise sitzenden Ruderern und einem Steuermann Platz. Die Ruderriemen haben eine Länge von ca. 3,20 m, sind aus einem Stück Holz gedrechselt und wesentlich schmaler als die Ruderblätter der modernen Ruderboote. Neuere Kirchboote besitzen aber auch moderne Macon-Blattformen oder Big Blade-Blattformen. Sie werden am Bootskörper auf nach vorne gekrümmte Metallstifte gesteckt und können während des Ruderns nicht gedreht werden. In älteren Kirchbooten saßen die Ruderer auf festen Bänken, wobei die heutigen Kirchboote meist Rollschienen mit Rollsitzen haben.

 

Wie wir unsere Kirchboote bauen, erfahren Sie hier.

 

 

Kirchboot vs. Ruderbarke

 

Trotz seiner Länge ist ein Kirchboot wendig und schnell. Je nach Stärke und Eingespieltheit der Besatzung sowie Wind und Wasserverhältnissen kann ein Kirchboot kurzfristig auf ca. 20 km/h beschleunigt werden und eine Dauergeschwindigkeiten von 12 bis 16 km/h erreichen. Aufgrund ihrer Rumpfform sind sie zudem sehr seetüchtig, d.h. Quer- und Längswellen stellen kein Problem für das Boot dar. Diese Eigenschaften unterscheiden ein Kirchboot von einer Ruderbarke und ermöglichen ein breiteres Einsatzspektrum.

 

 

Kirchbootrennen

 

In den 1980er Jahren besann man sich in dem kleinen Kirchdorf Sulkava erneut auf den Bau von Kirchbooten, um damit die 1968 ins Leben gerufene Ruderregatta „Sulkavan Suursoudut“ attraktiver zu machen. Die Rennen werden auf der Saimaa-Seenplatte ausgetragen und gehen über eine Distanz von 60 km. Die Teilnehmerzahlen der größten Finnischen Regatta sind beachtlich, zu Spitzenzeiten hat die Regatta mehr als 10.000 Teilnehmer (Jahr 2003).

 

In Deutschland erfreuen sich Kirchboote einer wachsenden Beliebtheit unter Ruderern. I.d.R. werden die Boote aus Finnland neu oder gebraucht nach Deutschland gebracht. Der SALIER der Rudergesellschaft Speyer ist die Ausnahme: Es handelt sich hier um das erste in Deutschland gebaute Kirchboot – und wurde, wie es sich für ein Kirchboot gehört, am 3. Juli 2010 vom Speyerer Bischof Dr. Wiesemann feierlich geweiht.

 

 

Es gibt auch in Deutschland vereinzelte Wettkampfveranstaltungen mit Kirchbooten; die Kirchbootregatta Speyer ist die einzige seit 2008 regelmäßig stattfindende reine Regatta und gehört inzwischen zum traditionellen Speyerer Veranstaltungskalender. Seit 2015 werden zwei neue (von der Kirchbootmanufaktur Speyer konzipierte) baugleiche Kirchboote eingesetzt. Damit sind für die Teams gleiche Bedingungen im Rennen garantiert.

 

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